RESSOURCEN MEDITATION
Nie hätte ich mir vorstellen können, dass ich einmal durch meine Worte Menschen erreichen würde. Schon gar nicht durch das Schreiben.
Als Kind konnte ich es kaum. Ich hörte Wörter falsch und schrieb sie falsch, und in der Schule in Frankreich hatten wir ständig Diktate. Für mich war jedes davon eine Quälerei. Man schickte mich zur Logopädie und nannte es Legasthenie. Was zuhause los war, wusste niemand, und niemand brachte das eine mit dem anderen in Verbindung.
Mit elf hatte ich die schlechtesten Noten der Klasse. Dann kam meine Französischlehrerin zu mir. Sie sprach mit einer Wertschätzung, die ich nicht kannte. Sie sagte, sie sehe, wie viel ich könne, sie sehe mich jeden Tag lesen, und sie verstehe meine Noten nicht. Sie wisse, dass ich in kurzer Zeit die Klassenbeste sein könnte.
Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ein Mensch mich wirklich sah.
Innerhalb von drei Monaten war ich in ihrem Fach die Klassenbeste. In allen anderen blieb ich die schlechteste.
Als ich die Schule verliess, hörte es nicht auf. Sie schrieb mir Postkarten, jahrelang, aus jedem Land, in dem sie war. Sie rief bei mir zuhause an und fragte, wie es mir gehe. Ich werde sie mein Leben lang nicht vergessen.
Mit dreizehn fing ich an, Deutsch zu lernen. Ich war nicht gut darin, aber ich liebte den Klang dieser Sprache.
Mit neunzehn kam ich für ein soziales Jahr nach Deutschland. Ich sprach schlecht, ich machte ständig Fehler und schämte mich dafür. Beim Reden kam ich mir vor wie ein kleines Kind, das nach Wörtern sucht, und ich entwickelte einen richtigen Komplex deswegen.
Heute schreibe ich meine Texte in genau dieser Sprache, und ich liebe es.
Täglich kommen Nachrichten von euch. Menschen schreiben mir, dass ein Text sie berührt hat, dass sie sich zum ersten Mal wirklich verstanden fühlen. Das rührt mich jedes Mal zutiefst.
Ich glaube wirklich, es ist kein Zufall, dass du gerade diese Zeilen liest. Sie sind für dich.
Glaube an dich, glaube an deinen Weg und an alles, was in dir steckt. Es ist viel mehr, als du ahnst.
Danke, dass du hier bist und diesen Weg mit mir gehst.
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Vor drei Jahren habe ich den Schritt gewagt und bin aus meinem alten Leben gegangen, das mir überhaupt nicht mehr entsprach. Es hat mich viel mehr gekostet, als ich geahnt habe. Und es hat mir so viel zurückgegeben, wie ich es mir nicht vorstellen konnte.
Zweiundzwanzig Jahre lang habe ich geglaubt, mit mir stimme etwas nicht. Heute weiss ich, was in meinem Leben nie gestimmt hat. Ich verstehe heute so viel mehr, weil ich Dinge gesehen und integriert habe, die ich mittendrin gar nicht sehen konnte.
Wenn du das hier liest und es dich berührt, dann erinnere dich an deine Freiheit und an deine Würde. Es ist so viel mehr möglich, als du dir gerade vorstellen kannst. Davon bin ich überzeugt, und ich sage das nicht als Floskel, die man überall liest.
Die Arbeit mit deinem Nervensystem lohnt sich. Deine Erfahrungen zu integrieren lohnt sich. Alles, was du dafür tust, bringt dich näher an ein Leben, das du in Freiheit lebst.
Ich möchte dich dazu ermutigen, und ich glaube von Herzen an dich.
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